DVD & Blu-ray

DVD Vorstellungen der Woche

DVD Vorstellungen der Woche

Schatz nimm du sie!

Wild Bunch, 17.08.2017

Schatz Wider dem Vorurteil, deutsche Filmkultur und Comedy seien in Kombination ungenießbar, serviert Sven Unterwaldt jr. mit „Schatz nimm du sie!“ eine köstliche Portion Unterhaltung. So erweisen sich die 100 Spielminuten als gnadenlose Ehrlichkeit über die Alltagskrisen des Familienlebens: Karriere geht vor Kind und Kind kann gucken, wo es bleibt. So zynisch klingen auch Toni (Carolin Kebekus) und Marc (Maxim Mehmet), als sie dem Ehe-Aus vergnügt entgegensteuern. Keiner der beiden Erwerbstätigen ist gewillt, die zwei Kids Emma (Arina Prokofyeva) und Tobias (Arsseni Bultmann) nach der Scheidung zu beherbergen. Der kuriose Sorgerechtsstreit artet rasch im Kleinkrieg aus und entblößt die unwissenden Eltern bei deren peinlichen Auftritten im Kreis der Jugend-Clique. Dabei lässt sich gerade die typisch spießige Bierwerbeästhetik belächeln. Noch komischer wird es, wenn der kleine Tobias die Aussage seiner Schwester, „Ihr seid noch scheißer als vorher“, mit „scheiße hat kein Komparativ“ korrigiert.

Benjamin Freund


Die versunkene Stadt Z

Studiocanal, 17.08.2017

Stadt Z „Unsere Welt hat sich selbst in Brand gesetzt. Wir müssen umdenken, um die Flammen zu löschen“. Eine wahre Geschichte macht noch längst keinen guten Abenteuerfilm aus. Ebenso bedarf es für eine fesselnde Erzählung mehr als eine Handvoll imposanter Bilder. „Die versunkene Stadt Z“ hält diese Waage und überzeugt durch kluge Anekdoten, tiefsinnige Charaktere und einen mystischen Dschungel. Von Wissenschaftlern belächelt, glaubt der britische Offizier Percy Fawcett (Charlie Hunnam) 1905 immer daran, im unerforschten Amazonasgebiet von Brasilien und Bolivien eine Stadt aus Gold ausfindig machen zu können. Die Faszination für den Nachlass der indigenen Völker und der Kampf gegen die Arroganz des weißen Mannes wurden zu Fawcetts Schicksal. Ausbeutung, Waffengewalt und Rassismus sind jene großen Menschheitsübel, die von Regisseur James Gray im poetischen und zugleich ernsthaften Gewand behandelt werden. Was bleibt, ist die Kritik am Drang des Menschen, Kultur und Natur in Schutt und Asche legen zu müssen.

Benjamin Freund


A Cure for Wellness

20th Century Fox, 31.08.2017

Wellness Wer träumt nicht davon, einmal aus dem Mahlrad des Lebens auszubrechen, um dem eng getakteten Alltag zu entfliehen? Ein Sanatorium in den Schweizer Bergen verspricht in „A Cure for Wellness“, die vergiftete Brokerseele zu reinigen. Doch ob einer juristischen Schieflage in der Firma, soll der junge Überflieger Lockhart (Dane DeHaan) seinen CEO Pembroke (Harry Groener) aus der Idylle zurück in die Wirklichkeit holen. Schnell wird klar, dass diesem Wellness-Ort ein Mysterium innewohnt, dem sich niemand entziehen kann. Lockhart wird sukzessive in diesen Bann gezogen, der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aufzuheben scheint. Regisseur Gore Verbinski bleibt seinen „Fluch der Karibik“-Leisten treu und setzt all sein Können auf die Visualität. Doch hier liegt das Problem. Die Handlung bleibt über weite Strecken eindimensional. Ein Abklatsch vergangener Meisterwerke wie „Shutter Island“ oder „Uhrwerk Orange“. Und ein treffliches Beispiel dafür, dass es weit mehr braucht, um als visionär zu gelten.

Björn Eenboom