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DVD Vorstellungen der Woche

DVD Vorstellungen der Woche

Meine Cousine Rachel

Fox • 25. Januar

Meine Cousine Rachel Die Schriftstellerin Daphne du Maurier verstand sich auf abgründige Frauencharaktere wie keine zweite. In „Meine Cousine Rachel“, der Neuverfilmung ihres gleichnamigen Romans nach der ersten Filmadaption von 1952, gibt sich Rachel Weisz die gespenstische Ehre und verkörpert eine eindrucksvolle Rachel im Cornwall des 19. Jahrhunderts. Im düsteren Melodram von Roger Michell („Notting Hill“) gerät ein eigentlich vorgewarnter englischer Gentleman (Sam Claflin) in den Bann einer undurchsichtigen Frau. Ist die Witwe seines geliebten Cousins und Ziehvaters Ambrose (Deano Bugatti) eine Mörderin und hat sie es mit ihrem selbstgebrauten Kräutertee auch auf ihn abgesehen? Interessanterweise ergibt sich die Zweideutigkeit der Protagonistin hauptsächlich dadurch, dass sie über Tiefe und Unabhängigkeit verfügt und eine vollwertige Präsens auch jenseits der Existenz eines Mannes entfaltet. Ein ungewöhnliches Phänomen der damaligen Umgebung, welches vom Regisseur ganz im Sinne du Mauriers eingefangen wurde.

Nora Harbach


Mother

Paramount • 25. Januar

Mother Im Deutschunterricht war man bei der Frage „Was will uns der Dichter damit sagen?“ gut beraten, mindestens eine halbwegs passable Interpretation in der Hinterhand zu haben, um der Sinnsuche schnell wieder ein Ende zu bereiten. Für „mother!“ wird sich der gemeine Zuschauer eben jenen Sinn händeringend herbeisehnen – Kinobesucher sollen unter Protest den Saal verlassen haben, die Bewertungen bei Internethändlern lauten vielfach „Unschaubar!“. Die Kritiker? Gespalten. Und warum? Weil Darren Aronofskys siebte Regiearbeit einem Nichts und Alles an die Hand gibt: das fängt bei den namenlosen Charakteren an, Jennifer Lawrence spielt „Mutter“, Javier Bardem „Er“ – beide leben isoliert in einem architektonisch nicht nachvollziehbaren Haus. Als „Mann“ (Ed Harris) und „Frau“ (Michelle Pfeiffer) in ihr Leben treten, nimmt der Strudel in die Katastrophe Fahrt auf. Das erinnert an Samuel Beckett und Paul Auster und ist endlich mal wieder eine cineastische Herausforderung, die zu Reaktionen zwingt. Unbedingt ansehen.

Jonas Grabosch


The Circle

Universum • 26. Januar

The circle Wer die letzten 15 Jahre nicht in einer Berghütte ohne Empfang verbracht hat, weiß um Licht und Schatten digitaler Vernetzung und künstlicher Intelligenz. Insofern war Dave Eggers Romanvorlage von 2013 um die junge Call Center Mitarbeiterin Mae Holland, die in einem googleartigen Tech-Unternehmen Karriere macht und immer tiefer in den Sog dunkler Datenmanipulation gezogen wird, schon ein wenig redundant aber unterhaltsam. In der Verfilmung von "The Circle" liefern sich James Ponsoldt als lustloser Regisseur, Emma Watson als starrende Mae, Tom Hanks als sprunghafter Firmengründer Bailey und zahlreiche andere, sonst sehr talentierte Menschen einen vollends verzopften Spießrutenlauf um totale Überwachung und Convenience Lifestyle. Das Drehbuch kann sich nicht entscheiden, ob es GAFA Konzerne gruselig oder auch ein bisschen sexy finden soll. Dem Zuschauer bleibt die Wah,l während des Films sein ambivalentes Smartphone zu zücken oder gleich auf die recht gelungenen Interviews in den Extras zu wechseln

Miguel Peromingo