Literatur

Buchvorstellungen der Woche

Buchvorstellungen der Woche

Marion Poschmann - Die Kieferninseln

Suhrkamp, 09.09.2017

Kieferninseln Seit Freud wissen wir: Unser sicher geglaubtes Ich ist nur eine mehr oder weniger stabile Außenfassade, hinter der es sich ohne scharfe Grenze im Unbewussten verliert. Um die dünne Fassade des frustrierten Bartforschers Gilbert Silvester einstürzen zu lassen, genügt schon ein schlechter Traum, in dem seine Frau ihn betrügt – eine „unmissverständliche Warnung des Unbewussten an ihn, das naive, ahnungslose Ich“. Hals über Kopf lässt er die Gattin zurück, um aus absurdem Trotz ins ferne Japan zu reisen, wo nichts und niemand auf ihn wartet. Eher zufällig stößt er auf zwei Bücher, die seinen Weg unausweichlich fortzuschreiben scheinen: das Reisetagebuch des berühmten Haiku-Dichters Bash? und das „Complete Manual of Suicide“ im Gepäck seines neuen Freundes, des gescheiterten Selbstmörders Yosa. Bei aller Düsternis der Themen gelingt es der Autorin, Traum und Wirklichkeit zu einer bewundernswert leichtfüßigen und doch tiefgründig-spirituellen Reverie verschwimmen zu lassen – Freud wäre stolz gewesen.

Hendrik Heisterberg


Irvine Welsh - Kurzer Abstecher

Heyne Hardcore, 11.09.2017

Abstecher In „Kurzer Abstecher“ kehrt Irvine Welsh in das Leben Franco Begbies zurück, einem der Protagonisten seines Debüts „Trainspotting“, seiner Fortsetzung „Porno“ und dem Prequel „Skagboys“. Begbie, der gewalttätige Soziopath, der als einziger im T-Universe kein Heroin spritzt, aber umso furchterregender ist, nennt sich jetzt Jim Francis und schiebt nach dem Gefängnis eine ruhigere Kugel. Er ist glücklich verheiratet, hat ein Strandhaus in Südkalifornien und ist erfolgreicher Künstler bizarrer Bilder mit verstümmelten Prominenten. Dann wird sein Sohn aus erster Ehe tot aufgefunden und es treibt ihn zurück ins gotische Edinburgh, wo aus Dr. Jekyll wieder Mr. Hyde zu werden droht. Welsh verwendet seinen vermutlich großartigsten Charakter, um das komplexe Innenleben eines Mannes mit alternativer Moral zu beschreiben. Der Leser findet an den Gewalteskapaden, gewohnt ambivalent, tarantinesken Gefallen und kann es kaum abwarten, Robert Carlyle in die Rolle des wandernden Jim schlüpfen zu sehen.

Miguel Peromingo


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