Musik

Album der Woche

Laila Biali

ACT • 26. Januar

Album der Woche - Laila Biali

Photo: Rockie Nolan

Laila Biali

Besessen von Musik

Laila Biali ist einem europäischen Publikum noch unbekannt, dabei veröffentlicht die 37-jährige Kanadierin mit „Laila Biali“ bereits ihr sechstes Album.

Ist es eigentlich ein Fluch, weder richtig zum Genre Pop noch zum Jazz zu gehören?

Für mich ist es normal, ich habe Jazz erst spät kennengelernt. Aber ich weiß, was Sie meinen. Produzenten haben schon zu mir gesagt: wenn du mal eine richtige Jazz-Platte machen würdest, würdest du ganz groß werden. Meine Projekte müssten geschlossener sein. Ich denke aber, der Erfolg einer Sängerin wie Norah Jones spricht eine andere Sprache: auf ihrem ersten Album war kaum Jazz. Es war ihre Stimme und der sanfte Charakter der Musik, die das Projekt geschlossen machten. Die Leute dachten, das wäre Jazz!

Was haben Sie gehört, bevor Sie Pop für sich entdeckten?

Ich war von frühester Kindheit an besessen von klassischer Musik. Ich habe das Drama von symphonischen und natürlich von Klavier-Konzerten geliebt. Diese Dynamik! Ich war überhaupt ein leidenschaftliches Kind, das ging so weit, dass ich mich beim Musikhören auf dem Boden wälzte. Musik war immer Magie für mich. Es klingt wie ein Klischee: aber Musik verbindet Menschen, die sonst fundamental unterschiedlich sind.

Sie waren einige Jahre in der Band von Sting. Was kann man von ihm lernen?

Er hat ein unglaubliches Arbeitsethos. Ein Probentag mit ihm dauert mindestens zehn Stunden. Er ist der erste, der kommt, und der letzte, der geht. Er ist ein Star, er könnte es sich bequem machen, aber er beschäftigt sich mit jedem Detail. Und er hat sich eine kindliche Freude und Lust am Experimentieren bewahrt.

Kann er auch mal laut werden?

Wenn er dich als Musiker nicht respektiert, bist du ganz schnell weg vom Fenster. Auf eine freundliche, aber bestimmte Art. Er besitzt die Fähigkeit, seine Musiker auf eine indirekte Art zu überzeugen, seine Vision durchzusetzen. Wenn er ein bestimmtes Klavier-Solo nicht wollte, fragte er mich: „Meinst du, es sollte an dieser Stelle ein Saxophon-Solo geben?“ So bringt er die Leute dazu, zu glauben, es wäre ihr Einfall gewesen.

Bevor Sie zurück nach Toronto zogen, haben Sie lange in New York City gewohnt. Was macht diesen Ort so besonders?

In dieser Stadt zu leben, ist wie im Auge des Hurrikans zu stehen: von außen wirkt es völlig irre, aber wenn du drinnen bist, ist es ganz organisch und normal. Für mich war es ganz alltäglich, mit meinen Jazzhelden zu quatschen – die waren meine Nachbarn. New York schließt niemanden aus! Wenn du gewillt bist, ums Überleben zu kämpfen, gehörst du zu den Besonderen.

FAZIT: Laila Biali kann alles: auf ihrem selbstbetitelten Album legt sie als Pianistin, Sängerin, Arrangeurin und Komponistin eine beispiellose Energie an den Tag. Vom Uptempo-Funk von „What You Say“ bis hin zu einer gefühlvollen Soul-Version von David Bowies „Let’s Dance“. Ihr ohrwurmtauglicher Jazz-Pop-Soul lässt dabei stets Platz für ihre famosen Bandkollegen.

Interview: Jan Paersch