Kino

05.07. | Kinostarts der Woche

Am Ende ist man tot • Coda • Liebe bringt alles ins Rollen

05.07. | Kinostarts der Woche -  Am Ende ist man tot • Coda • Liebe bringt alles ins Rollen

AM ENDE IST MAN TOT

Barnsteiner • 05. Juli

AmEndeistmanTotGeradeheraus, voller Energie und mit einer Prise absurden Humor: So wünscht man sich das deutsche Kino. „Am Ende ist man tot“ wurde vom Hamburger Schauspieler Daniel Lommatzsch initiiert, umgesetzt in seiner Freizeit und mitgetragen von seinen Theaterkollegen (in deren Freizeit), die auch auf der Leinwand eine hervorragende Figur machen. Herausgekommen ist eine absurde Familiengeschichte, in der sich zahlreiche narrative Fäden nach und nach verknüpfen und das Bild einer, zwar traditionsreichen, aber völlig kaputten Familie zeichnen. Filmisch gebündelt wird die wahnwitzige Dramödie durch die Verfolgung von drei Hunderteuroscheinen, die von einem (verwirrten und weinerlichen) Entführer über Umwege bis hin zur habgierigen Familie des Entführungsopfers wandern. Fein eingewebt in die komplexe Handlung wird so Kapitalismus-Kritik: Das Geld dreht seine Runden, alle hetzen ihm hinterher, glücklich wird dabei niemand und schlussendlich gilt: „Am Ende ist man tot“.

Marina Mucha


Ryuichi Sakamoto: Coda

Salzgeber • 06. Juli

AmEndeistmanTotC-D-C-G-C, mit diesen fünf Noten wurde Ryuichi Sakamoto 1983 weltberühmt. Sie sind das Leitmotiv in dem Kriegsdrama „Merry Christmas, Mr. Lawrence“. Dem Ruhm auch nicht gerade abträglich war Sakamotos sphärische Schönheit als japanischer Offizier, mit der er David Bowies britischen Kriegshelden fast in den Schatten stellte. Auf beides referiert Regisseur Stephen Schible in seiner Doku „Ryuichi Sakamoto: Coda“ immer wieder: des Meisters überirdische Aura und seine Suche nach dem schlichten Klang im Lärm. Er findet ihn in Bachs Chorälen, dem Knacken arktischer Gletscher und im Glucksen des Turkana-Sees, wo die ältesten Vorfahren des Menschen gefunden wurden. Elektronische Ethno-Klassik wäre ein treffendes Label, wenn Sakamotos Ton-Kunst denn eines bräuchte. Er selbst hegt die Hoffnung, dass er sich für das Erbe, das er einmal hinterlassen wird, nicht schämen muss. Unweigerlich schließt sich da beim Zuschauer und –hörer der gedankliche Kreis zu David Bowie und seinem „Blackstar“.

Edda Bauer


Liebe bringt alles ins Rollen

NFP • 05. Juli

LiebeBRINGTALLESINSROLLENWer kennt es nicht: Als gutaussehender,erfolgreicher Mann wird es irgendwann zu einfach, die Frauen ins Bett zu kriegen. Da muss man sich Herausforderungen stellen! Zum Beispiel: Eine Frau rumkriegen, während man im Rollstuhl sitzt. Natürlich verliebt sich Jocelyn (Frank Dubosc) in eine Frau, die wirklich querschnittsgelähmt ist. Es kommt, wie es kommen muss: 90 Minuten lang hält der Zuschauer Fremdschämsituationen aus, in denen Jocelyn mit seiner Scharade in allerlei peinliche Situationen stolpert. Das lahme Drehbuch spult einen bekannten Gag nach dem nächsten runter (das schrillende Handy in der Oper: ein Klassiker) und bleibt immer schön an der Oberfläche der Geschichte, die das Potenzial zu wirklicher Komik oder einer Auseinandersetzung mit ungleichen Beziehungen gehabt hätte. Einziger Lichtblick: Caroline Anglade als Julie (die Frau im Rollstuhl) lässt ihrer Figur Intelligenz und Gelassenheit angedeihen. Komisch nur, dass die sich am Ende doch auf den eindimensionalen Jocelyn einlässt.

Marina Mucha