Uli Hanisch

Uli Hanisch

„Ich erfinde die Welt, in der die Geschichte stattfindet.“

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Zur Person

19. November 2017, Berlin. Es ist selten, dass Szenenbildner im Fokus stehen. Die Augen richten sich auf die Schauspieler, den Regisseur, vielleicht noch den Kameramann. Alle anderen Gewerke stehen im Schatten. Uli Hanisch zählt in Deutschland zu den besten Szenenbildnern – und berichtet von einer veränderten Lage: Seit der Fernsehserie „Babylon Berlin“ ist das Interesse an seiner Arbeit gewachsen. „Ich erzähle beinahe von nichts anderem mehr.“ Im Interview geht es aber auch um einen manischen Dreh mit Christoph Schlingensief, die Egozentrik von Schauspielern und Regisseuren sowie Hanischs Fähigkeit, aus einem Drehbuch einen eigenen Kosmos entstehen zu lassen.

Herr Hanisch, als Szenenbildner gestalten Sie die Welt, in der ein Film spielt. Macht Sie das auch zu einem Künstler?

Ich glaube nicht, nein. Der entscheidende Unterschied ist: Ein Künstler wacht morgens auf und entscheidet aus sich heraus, etwas zu tun. Er hat eine Idee, einen Plan und will etwas aussagen, das ihm am Herzen liegt. Im Vergleich dazu bin ich träge und faul. Ich warte, dass man mich anruft. Und dann gibt es ein Thema, ein Vorhaben, ein Drehbuch, das mir vorgelegt wird.

Als Ihnen die Serie „Babylon Berlin“ angeboten wurde...

...war mir direkt klar, wohin das gehen muss. Berlin in den 20er-Jahren, ein Sittenbild der Zeit – das war der Oberbegriff. Ab diesem Moment fängt es bei mir an zu rattern, und ab dann nehme ich auch an einer Art künstlerischem Prozess teil. Ich entwickele diesen Prozess mit, ich trage und präge ihn. Aber der Urknall liegt nie bei mir. Manchmal stellt sich schon ein defizitäres Gefühl ein. Früher hat mir das nichts ausgemacht, inzwischen habe ich bisweilen daran zu knabbern, dass meine Arbeit per se als Reaktion angelegt ist. Man ist dann wie ein Springteufel in der Kiste. Je nachdem, welcher Knopf gedrückt wird, springt man in die eine oder in die andere Richtung. Aber so ist es halt. Manchmal kann man sich nicht aussuchen, wie man ist.

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