Serdar Somuncu

Serdar Somuncu

„Aufrichtigkeit ist Höflichkeit.“

Autor:
Fotos:
  • Johannes Boventer
Leserbewertung:

Zur Person

05.03.2014, Köln. Serdar Somuncu hat vergessen, dass am Aschermittwoch noch nicht alles vorbei ist. In dem Restaurant, das er für das Treffen gewählt hat, wird kollektiv Fisch geordert, die Karnevalsstimmung hängt noch in der Luft. Somuncu hasst das. So sehr, dass er darüber sogar einmal ein Buch geschrieben hat, „Karneval in Mio“, eine 111-seitige Tirade aus der Isolation des sich Verbarrikadierenden. Doch Somuncus derbe Sprache dient vor allem dem Wunsch, Leser und Zuschauer aus der Konsensfalle zu locken. Im Gespräch ist er extrem höflich, offen und stellt beinahe so viele Gegenfragen, wie er Antworten gibt.

Herr Somuncu, wie schwer war es für Sie in diesem Jahr, Karneval aus dem Weg zu gehen?

Serdar Somuncu: Sehr schwer. Ich war eigentlich auf der Flucht, so wie immer in dieser Zeit. Ich musste aber aus privaten Gründen zurückkommen, dummerweise am Karnevalssamstag. Das heißt also, dass ich das volle Programm miterlebt habe. Bis Dienstag. Da denkt man, dass jetzt nur noch dieser scheiß Nubbel verbrannt wird, aber in Wirklichkeit geht die Party erst richtig los. Die ganze Nacht Gegröle und kotzende Leute auf der Straße. Und heute Morgen wurde dann die Baustelle vor meinem Haus wieder eröffnet.

Also stört Sie an Karneval vor allem der Geräuschpegel?

Furchtbar, ja. Ich habe zuhause gesessen und gedacht: Ey, das klingt wie Reichspogromnacht! Dieses Getrommel und die Schreie… als wäre da draußen ein SA-Trupp unterwegs. Ein KZ-Überlebender würde wahrscheinlich den totalen Flashback kriegen. Für mich hat das etwas sehr Bedrohliches.

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