Jussi Adler-Olsen

Jussi Adler-Olsen

„Glück braucht keinen Reichtum.“

Fotos:
  • Tabea Hahn
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Zur Person

19.03.2017, Unna. Für Jussi Adler-Olsen muss es kein Drei-Gänge-Menü sein. Beim Chinesen um die Ecke hat sich der dänische Starautor eine mächtige Portion Wokgemüse einverleibt, nun steht er bereits zehn Minuten vor Interviewbeginn in der Hotellobby. Später bietet er eine Runde Lakritztaler an und führt vor, wie er sich diese Süßigkeit als Kind auf die Hand geklebt hat, um stundenlang daran zu lecken. Es sind kleine Gesten wie diese, mit denen der Krimiautor schnell ein beinah familiäres Gesprächsklima herstellt. Was ihm zwischenmenschliche Augenhöhe bedeutet, wie seine Mutter ihn prägte und warum die Dänen es so gern „hyggelig“ haben, verrät er kurz vor Beginn der nächsten Lesung.

Herr Adler Olsen, Ihre gleich stattfindende Lesung ist ausverkauft. Kennen Sie noch Lampenfieber?

Nein, eigentlich nicht. Ich trickse meinen Verstand aus und beschäftige mich nicht im Voraus mit Dingen, auf die ich keinen Einfluss habe. Deshalb mache mir grundsätzlich nie Gedanken darüber, was abends bei den Lesungen auf mich zukommen könnte. Ich versuche, mir die Gesichter der Organisatoren in Erinnerung zu rufen, die ich hier beim vergangenen Mal getroffen habe. Aber was wir heute Abend lesen werden? Keine Ahnung. Margarete von Schwarzkopf und Peter Lohmeyer, die seit acht Jahren mit mir im Team auftreten, wissen es natürlich. Aber ich improvisiere alles.

Sind Sie ein Bühnentalent?

Eher nicht. Es hilft mir, dass ich bereits viele Dinge ausprobiert und unterschiedliche Erfahrungen auf verschiedenen Bühnen gesammelt habe. Als ganz junger Kerl trat ich mit der Gitarre vor Kneipenpublikum auf, vor allem, um Mädchen zu beeindrucken. Da habe ich mir meine ersten Sporen verdient. Später, in meinen Comicshops, beriet ich meine Kunden und kam dabei häufig vollkommen fremden Personen relativ nahe. Während der Friedensbewegung in Dänemark sprach ich bei Demonstrationen vor 100.000 Menschen. So verschwand die Schüchternheit mit der Zeit. Heute lasse ich mich nicht mehr so leicht von anderen Menschen beeindrucken. Wenn ich jemanden nicht mag, dann mag ich eben jemand anderen.

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