Kino

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

20th Century Fox · 25. Januar

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ob als Massenmörder in "The Green Mile", als Bösewicht in "Drei Engel für Charlie" und "Iron Man 2" oder demnächst als George W. Bush im neuen Film von Adam McKay - Sam Rockwell kennt sich damit aus, nicht den strahlenden Helden zu spielen. Wobei er selten eine so fiese Type war wie jetzt in der schwarzen Komödie "Three Billboards in Ebbing, Missouri". GALORE traf ihn in London zum Interview.

Mr. Rockwell, warum spielen Sie eigentlich so gerne fragwürdige Kerle wie nun diesen Polizisten in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"?
Ich habe definitiv etwas übrig für Antihelden. Und für düstere, abgründigere Geschichten. Das sind im Kino einfach die interessanteren, sowohl für die Zuschauer als auch für uns Schauspieler. Wobei ich übrigens sagen muss, dass Jason Dixon in "Three Billboards..." auch kein klassischer Bösewicht ist, von denen ich bereits einige gespielt habe. Seine Persönlichkeit ist durchaus etwas vielschichtiger.

Auf jeden Fall ist er anfangs ein ziemlich rassistisches Arschloch. Wie fühlt man sich in einen solchen Mann ein? Einfühlen ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Das wurde mir sehr bewusst als ich kürzlich für den Film "The Best of Enemies", der 2018 in die Kinos kommen wird, einen Ku Klux Klan-Führer spielen musste. Dafür habe ich mich mit einem früheren Rechtsextremisten getroffen, der sich inzwischen von seinen einstigen Überzeugungen losgesagt hatte. Er erklärte mir, dass es im Grunde viel weniger um einen Hass auf Menschen mit anderer Hautfarbe geht als um einen Selbsthass. Das ist es, was ich mir als Schauspieler für solche Rollen zu Nutzen mache, denn Selbsthass, Minderwertigkeitsgefühle und ähnliches kennt ja jeder aus schwachen Momenten. Ich identifiziere mich also vor der Kamera nicht mit einem Rassisten, sondern stelle einen Bezug zu den Emotionen her, die ihn einen haben werden lassen.

Sie haben für die Rolle bereits den Hollywood Film Award erhalten und gelten auch als Oscar-Anwärter. Welche Bedeutung haben solche Preise für Sie?
In erster Linie sind sie natürlich sehr schmeichelhaft. Und in diesem Fall ganz besonders. Ich habe ja auch schon den Silbernen Bären der Berlinale gewonnen und war für den renommierten Independent Spirit Award nominiert. Aber anders als damals gilt dieses Mal die Aufmerksamkeit nicht bloß mir, sondern dem ganzen Film. Das freut mich sehr, denn er hat es verdient. Wir haben den Publikumspreis in Toronto und in San Sebastian gewonnen, Martin McDonagh wurde in Venedig für das Drehbuch ausgezeichnet. All das empfinde ich als wirklich besonders.

Sie sind unglaublich fleißig, alleine 2018 starten vermutlich fünf Filme, in denen Sie mitspielen. Sind Sie am glücklisten wenn Sie arbeiten?
Naja, ich verbringe schon auch ausgesprochen gerne Freizeit mit meiner Freundin. Sie kocht gerne, was ich großartig finde, und mit unserem Hund machen wir lange Spaziergänge. Aber es stimmt schon: die Arbeit erfüllt mich. Ich finde es auch wichtig, dass man arbeitet und daran Freude hat.

Eine Berufung - so haben Sie die Schauspielerei mal genannt, nicht wahr?
Stimmt, würde ich auch immer noch so sagen. Und ich glaube, dass man durch diesen Beruf wirklich Menschen berühren kann. Klingt hochtrabend, aber davon bin ich überzeugt, wenn ich mir Kollegen wie Robert Duvall oder Meryl Streep ansehe. Oder Isabelle Huppert. Was die in "Die Klavierspielerin" oder "Elle" geleistet hat, ist nicht nur unglaublich mutig, sondern wirklich bewegend.

Sie selbst haben allerdings auch keine Berührungsängste mit dem Mainstream. Wie kam es zum Beispiel zu der Rolle in "Iron Man 2"?
Mein Kumpel Justin Theroux hatte das Drehbuch geschrieben, und ihn sowie Regisseur Jon Favreau schätze ich wirklich sehr. Außerdem mochte ich den ersten Teil, nicht nur weil meine Freundin da mitgespielt hat.

Eigentlich waren damals auch Sie selbst für die Rolle des Iron Man im Gespräch, oder?
Richtig, aber ich hatte nie wirklich damit gerechnet, dass ich sie bekomme. Ich wurde damals von Marvel angerufen, aber als dann weiter nichts kam, hielt sich meine Enttäuschung auch in Grenzen. Robert Downey jr. hat bei seinem Kameratest wohl einfach alle von den Socken gehauen, deswegen waren alle anderen auf einen Schlag aus dem Rennen.

Könnten Sie sich denn insgesamt noch vorstellen, mal die Hauptrolle in so einer riesigen Comicverfilmung zu spielen?
Mittlerweile bin ich eigentlich ein bisschen zu alt, um einen Superhelden zu mimen, würde ich meinen. Aber vielleicht gibt es ja noch mal eine tolle Bösewicht-Rolle für mich. Oder ich werde eben der Super-Antiheld.

Patrick Heidmann