Musik

Neuerscheinungen der Woche

Neuerscheinungen der Woche

Àsgeir - Afterglow

Embassy of Music, 05.05.2017

Wenn Singer-Songwriter und Multi-Instrumentalist Ásgeir in seiner Heimat Island in den Supermarkt geht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er erkannt wird, ziemlich hoch: Statistisch gesehen, besitzt jeder zehnte isländische Haushalt eine Kopie seines Debütalbums „Dýrð í dauðaþögn“. Mit der englischsprachigen Neuauflage schlug er anschließend auch im Rest Europas große Wellen. Auf seinem zweiten Album „Afterglow“ lässt Ásgeir den elektronisch angehauchten Akustik-Folk hinter sich und setzt vermehrt auf elektronische Klänge sowie R’n’B- und Soul-Elemente. Entstanden sind elf bewegende, melancholisch wie melodische Stücke. Seinen warmen Falsettgesang kleidet Ásgeir mal in opulente Streicher- und Bläserarrangements, dann in kühle Synthesizer. Irgendwo zwischen Bon Iver, James Blake und Anohni zimmert sich der 25-Jährige so seine ganz eigene Schublade. Und mit „Afterglow“ und „Stardust“ – in den Texten, die von seinem Vater stammen, schwingt die Natur stets mit – sind ihm zwei Meisterwerke gelungen. Nadine Wenzlick


Blondie - Pollinator

BMG, 05.05.2017

Blondie Kein Spruch: Es braucht gerade mal die ersten zehn Sekunden von „Doom Or Destiny“, dem Eröffnungstrack von „Pollinator“, um zu verstehen, dass die Formation um die ikonische Debbie Harry ihren Touch auch auf dem mittlerweile elften Album nicht verloren hat: Ein knuffiges, hallveredeltes Drumsolo spielt kurz die Luft warm für die ersten, über einem rasenden Puls verstreuten Worte „clear as a bell“ – ein Rausch, der die Platte bis zum dramatischen Finale in „Fragments“ trägt. Das unter Mitarbeit von Dev „Lightspeed Champion“ Hynes entstandene „Long Time“ tollt mit Zitaten aus dem Klassiker „Heart Of Glass“ herum, in der ersten Single „Fun“ verfangen sich Funk und Seventies-Glam und vielleicht sogar ein bisschen Talk-Boxing. Eine wunderschöne Synthie-Melodie hat zudem Sia Furler dagelassen: Gerade ihr zeitloses „Best Day Ever“ ist ein Paradebeispiel für die Prächtigkeit dieses Albums, das die Frage aufwirft, ob wir die letzten Tage des Mega-Pop erleben oder der große Spaß gerade erst begonnen hat. Friedrich Reip