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Neuerscheinungen der Woche

Neuerscheinungen der Woche

Fences

Paramount, 03.08.2017

Fences Das unbeschwerte Bild auf dem Cover täuscht. In den Armen liegt sich das Ehepaar Maxon nur selten. Denn das Filmdrama nach dem Theaterstück von August Wilson portraitiert die Tragödie einer Familie, in dessen Kern der gebrochene, selbstgerechte, zürnende und trinkende Afroamerikaner Troy ruht. Umsorgt von der guten Seele Rose, die Troy im Pittsburgh der 50er-Jahren Sohn Cory geschenkt hat, leiden alle unter dem Weltschmerz ihres Ernährers. Eine Trennung wäre das einzig Konsequente. Aber wie? „Fences“ ist ein Herzensprojekt von Denzel Washington, der produzierte, inszenierte und den Unsympathen mimte. Ein Alterswerk des 62-jährigen Charakterkopfs. Dessen Enttäuschung war dann auch übermächtig, als keine seiner drei Oscar-Nominierungen fruchtete. Vielleicht ist das Rührstück doch zu substanzlos und schwarz-weiß gemalt. Makellos, weil differenziert und berührend ist indes die Leistung von Viola Davis in der Rolle der Rose. Der Oscar für ihre Leistung wurde zum Triumph. Nicht grämen, Denzel. Jörg Gerle


Certain Women

Sony , 03.08.2017

Certain Women Drei Geschichten von höchst unterschiedlichen Frauen, so behutsam wie immer von Regisseurin Kelly Reichardt erzählt. Dass diese Art nicht jedermanns Geschmack ist, erkennt man an den Kritiken auf diversen Online-Portalen. Man solle sich stattdessen „lieber PC-Bildschirmschoner anschauen“. Da fragt man sich, ob all diese Menschen aufregendere Leben haben als die drei Protagonistinnen: Anwältin Laura (Laura Dern), der eine fatale Fehleinschätzung bei einem ihrer Klienten unterläuft. Gina (Michelle Williams), die trotz einer Affäre ihres Mannes weiter den Traum eines eigenen Hauses mit ihm verfolgt, während ihre Tochter in der unerträglichsten Pubertät steckt. Und Beth (Kristen Stewart), die eine Bekanntschaft mit einer anderen Frau macht. Bei Reichhardt dominieren nicht die großen, eruptiven Dramen – sondern vielmehr die Anhäufung kleiner Unachtsamkeiten im Alltag, die langsamen Risse in der Beziehung, an dessen Ende sich alle Beteiligten fragen, wie sie sich so festfahren und entfremden konnten. Jonas Grabosch


The Break - Jeder kann töten, Staffel 1

Polyband, 28.07.2017

The Break Es beginnt mit einem Traum von Gewalt. Yoann Peeters, Kripo-Inspektor und eben erst in die belgischen Ardennen heimgekehrt, spricht von Faust, Blut und zerplatztem Kopf. „Und was dann?“, fragt seine Psychologin. „Nichts.“ Keine zwei Minuten sind vergangen, da hat „The Break“ ihren Ton zwischen Lakonik und Grenzbruch schon gefunden. Die Serie stellt sich damit in eine Reihe mit artverwandten Euro-Krimis von „Komissarin Lund“ über Broadchurch“ bis „Trapped“. Wobei deren kaltblauer Fatalismus, auf Entfremdung und Entrückung setzende Bildsprache und melancholisch vertropfte Score-Begleitung hier zwar souverän aufgegriffen, jedoch nicht im Wesentlichen transzendiert werden. Immerhin: Das Opfer ist ein farbiger Kicker aus Togo, „The Break“ also jenseits des Thriller-Plots bald auch eine Geschichte übers Fremdfühlen und Fremdsein. Vor ein paar Jahren hätte die Serie wohl einen ähnlich starken Eindruck hinterlassen wie ihre Vorgänger. Heute wirkt sie doch sehr wie ein Remix bekannter Motive und Figuren. Friedrich Reip