Kino

Moonlight

„Die GALORE Kino-Empfehlung der Woche“

Moonlight - Die GALORE Kino-Empfehlung der Woche

Manche Filme kündigen sich mit großem Getöse an, mit monatelangen Marketing-Kampagnen und Trailern schon Monate vor Kinostart. Doch es geht auch anders, wie im vergangenen Jahr „Moonlight“ von Barry Jenkins bewies. Den hatte vor der Weltpremiere beim Filmfestival in Telluride kaum jemand auf dem Schirm, schließlich lag das Filmdebüt des Regisseurs („Medicine For Melancholy“) bereits acht Jahre zurück und wurde damals hauptsächlich in Insiderkreisen wahrgenommen. Ein weiterer Grund mag sein, dass „Moonlight“ die Geschichte eines jungen schwulen Afroamerikaners erzählt, was leider selbst von manchen Cineasten auf dem Papier erst einmal als „Nischen-Kino“ abgetan wird. Kaum allerdings hatte der Film das Licht der Welt erblickt, verbreitete sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer: Hier war etwas ganz Besonderes, etwas Außergewöhnliches auf der Leinwand zu sehen.

„Ich hatte schon beim Lesen des Drehbuchs begriffen, dass ‚Moonlight’ anders ist als andere Filme. Das war ein ganz spezielles Projekt, deswegen bekam die Rolle für mich auch umgehend oberste Priorität“, erinnert sich Mahershala Ali (bekannt aus „House of Cards“), der im Film als Drogendealer zu sehen ist. Er spielt im ersten Drittel der Geschichte eine wichtige Rolle im Leben des da noch jungen Protagonisten Chiron. „Doch nach der Premiere in Telluride und kurz darauf in Toronto wurde uns erst wirklich klar, dass dieser Film vielleicht mehr sein könnte als bloß eine weitere kleine Independent-Produktion. Die Reaktionen waren so intensiv, vielfältig und anhaltend, dass ich dann erst realisierte, welche sowohl kulturelle als auch persönliche Bedeutung ‚Moonlight’ tatsächlich birgt.“

Schon als er den jungen Theater-Autoren Tarell McCraney kennen lernte, auf dessen nie aufgeführtem, autobiografischem Stück „In Moonlight Black Boys Look Blue“ der Film nun basiert, erkannte Regisseur Jenkins die erzählerischen Möglichkeiten, die in Chirons Geschichte stecken. „Anders als Tarell bin ich selbst nicht schwul, aber genau wie er bin ich im Ghetto von Miami als Sohn einer cracksüchtigen Mutter aufgewachsen. Im Grunde war das alles meine Geschichte“, hält der 37-jährige fest. „Es sind ganz spezifische Erfahrungen, von denen der Film erzählt. Es geht darum, wie es ist, als schwarzer Junge in Armut aufzuwachsen, als Schwuler, der seine Sexualität nicht ausleben kann. Ich glaube nicht, dass die Geschichte in dem Sinne universell ist, dass sich jeder darin wiedererkennen kann. Aber ich glaube, dass jeder Aspekte darin entdecken kann, zu denen man einen gewissen Bezug hat.“

Dass Jenkins mit dieser Einschätzung offenbar richtig liegt, zeigt die Erfolgsgeschichte, die „Moonlight“ seit dem vergangenen Herbst hingelegt hat. Aller „zu schwul, zu schwarz“-Unkenrufe und dem Mangel an großen Stars (neben Ali ist Naomie Harris alias Miss Moneypenny das bekannteste Gesicht) zum Trotz, hat der Film allein in den USA innerhalb weniger Wochen mehr als das Dreifache seines Budgets eingespielt. Presse und Publikum feiern die drei bis dato unbekannten Chiron-Darsteller ebenso wie die unvergesslichen Bilder oder die fantastische Musikauswahl. Und nach zahlreichen Kritikerpreisen gab es im Januar sogar den Golden Globe in der Kategorie „Bester Film“, was bei der Oscar-Verleihung - neben der Auszeichnung - passiert ist, grassierte ja tagelang durch die Medien. Nicht schlecht für einen Film, von dem vor einem halben Jahr noch niemand gehört hatte.

„Ich für meinen Teil kann jetzt schon sagen, dass für mich nach ‚Moonlight’ nichts mehr so sein wird wie vorher“, fasst Ali zusammen, der für seine Rolle unter anderem mit dem Critics’ Choice Award ausgezeichnet wurde. „Das hat nichts mit irgendwelchen Preisen zu tun, sondern damit, dass die Arbeit an diesem Film, seine Geschichte und nun auch seine Wirkung etwas sind, was ich in dieser Weise noch nie erlebt hatte, und vermutlich auch so schnell nicht wieder erleben werde. Diese unglaublich besondere Erfahrung, die ‚Moonlight’ für mich darstellt, hat meinem Weg durchs Leben für immer ihren Stempel aufgedrückt."


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Patrick Heidmann