Kino

Kinostarts der Woche

In den Gängen • Happy Prince

Kinostarts der Woche - In den Gängen • Happy Prince

IN DEN GÄNGEN

Zorro Filmverleih • 24. Mai

InDenGängenSupermarkt-Poesie ist noch kein durchgesetztes Genre. Was sich allerdings mit Thomas Stubers Sozialmärchen IN DEN GÄNGEN ändern könnte. Das bietet Gabelstapler-Pirouetten zu Kompositionen von Johann Strauss. Und eine Geschichte aus dem tiefen Osten, die mit der Lakonik eines Westerns erzählt wird. Im Mikrokosmos eines gigantischen Discounters in der sächsischen Provinz beginnt der schweigsame Held Christian – toll gespielt von Franz Rogowski – seine Arbeit als Regalauffüller. Was meist nachts geschieht, wenn ein eigentümlicher Zauber über den Gängen liegt. Christian freundet sich mit seinem väterlichen Boss an (Peter Kurth). Verliebt sich in die „Süßwaren-Fee“ Marion (Sandra Hüller). Und versucht einer Vergangenheit zu entfliehen, die ihn auf falsche Pfade geführt hat. Nach einer Short Story des Leipziger Autors Clemens Meyer inszeniert Regisseur Stuber (1981 ebenfalls in Leipzig geboren) eine schräg-schöne Loser-Ballade der abgehängten Existenzen mit ganz eigenem Stolz. Und sei es auf die bestandene Staplerfahrerprüfung.

Patrick Wildermann


The Happy Prince Concorde • 24. Mai

TheHappyPrinceAuch wenn es zuletzt still um ihn wurde, bleibt Rupert Everett doch das leicht versnobte Gesicht der feinen britischen Gesellschaft. Die 1990er waren seine Zeit im Kino. Auftritte als bester schwuler Freund in „Die Hochzeit meines besten Freundes“ und als Lord Goring an der Seite von Cate Blanchett in „Ein perfekter Ehemann“ brachten ihm Golden Globe-Nominierungen. In Wilder-Stoffen wie „Ein perfekter Ehemann“ glänzte er auch auf der Theaterbühne. Nun also ein Biopic über den irischen Dandy des vorletzten Jahrhunderts. Als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller huldigt er dem furiosen Literaten und Selbstdarsteller Oscar Wilde. Inzwischen selbst 58-jährig, ist es nur folgerichtig, dass er nicht den lebensfroh-lasziven, sondern den am Leben und seinen Eskapaden gebrochenen Mann verkörpert, der nach einer Gefängnisstrafe wegen homosexueller Freizügigkeit, von der Szene Londons geächtet, kurz vor seinem tragischen Ende, in Paris Zuflucht sucht. Einmal mehr gelingt ihm feinfühliges, melancholisches Ausstattungs-Kino.

Jörg Gerle