Kino

Kinostart der Woche

Nach einer wahren Geschichte

Studiocanal • 17. Mai

Kinostart der Woche - Nach einer wahren Geschichte

Emmanuelle Seigner im Gespräch

NachEinerWahrenGeschichte

Für „Nach einer wahren Geschichte“ stand Emmanuelle Seigner zum fünften Mal in 30 Jahren vor der Kamera ihres Ehemannes Roman Polanski. Wir trafen sie zum Interview.

Mademoiselle Seigner, „Nach einer wahren Geschichte“ erzählt eine, nicht immer leicht durchschaubare, recht brutale Geschichte. Wie anstrengend war das als Schauspielerin? Anstrengend war an diesem Film für mich nur, dass ich in jeder Szene zu sehen bin und entsprechend viel arbeiten musste. Davon abgesehen hatte ich viel Freude an der Arbeit. Nicht zuletzt, weil ich endlich mal die Schwache, quasi das Opfer spielen durfte. Normalerweise werde ich ja immer als tough und stark besetzt. Direkt im Anschluss an den Film schon wieder: da habe ich Gillian Andersons Rolle in der französischen Adaption der Serie „The Fall“ übernommen.

Sie spielen im Film eine Schriftstellerin. Sehen Sie da Parallelen zu Ihrer eigenen Arbeit? Nein, leider gar nicht. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre Autorin oder auch Regisseurin. In diesen Berufen ist man schließlich wirklich schöpferisch tätig, man kreiert ganze Kunstwerke. Als Schauspieler sind wir dagegen ja nur Gehilfen und tragen nur einen kleinen Teil zu einer großen Vision bei. Aber was soll ich sagen, mir fehlt leider jegliches Talent zum Schreiben. Ich schreibe nicht einmal Tagebuch.

Kennen gelernt haben Sie Ihren Mann Roman Polanski bei der Arbeit am Film „Frantic“, vor genau 30 Jahren. Wie erinnern Sie sich daran? Wenn ich an den Film denke, dann vor allem daran, wie nervös ich damals war. Ich war 19 Jahre alt, hatte außer einer kleinen Rolle bei Godard noch nie gespielt und sprach eigentlich kein Englisch. Und plötzlich stehe ich da gemeinsam mit Harrison Ford vor der Kamera. Heute scheinen mir junge Mädchen in dem Alter oft schon sehr ehrgeizig und karriereorientiert. Aber ich war damals ziemlich unbedarft und ganz schön verunsichert.

„Nach einer wahren Geschichte“ ist inzwischen der fünfte Film, den Sie mit Ihrem Mann gedreht haben. Drehen Sie mit ihm lieber als mit anderen Regisseuren? Ich kann nicht leugnen, dass die Arbeit mit ihm sich tatsächlich außergewöhnlich gut anfühlt. Da ist ganz viel Vertrauen, das nicht erst aufgebaut werden muss, und ich weiß, dass er mich nicht in ein schlechtes Licht rücken wird. Abgesehen davon ist er bekanntlich ein großartiger Regisseur – und es ist immer angenehmer, mit jemandem zu drehen, der auch wirklich Talent hat und nicht bloß ein Idiot ist. Das findet man vor allem in Frankreich nicht allzu oft!

Fazit

Eine Schriftstellerin und ein Fan, das wird hier zu einer rätselhaften Frauenbekanntschaft zwischen Stalking, Erotik, Konkurrenz, Freundschaft und Doppelgängertum, die vor allem von Emmanuelle Seigner und Eva Green in den Hauptrollen lebt. Roman Polanskis Inszenierung hätte aber gerne die Spannung oder das Trash-Potential noch weiter ausreizen dürfen

Patrick Heidmann