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Kinostart der Woche

14.06. | Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

Kinostart der Woche - 14.06. | Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

PAPST FRANZISKUS – EIN MANN SEINES WORTES

Universal • 14. Juni

Trifft ein Regisseur einen Papst...

Was macht man, wenn der Vatikan um einen Dokumentarfilm bittet? Man sagt natürlich zu. So hat es jedenfalls Regisseur Wim Wenders getan, der daraufhin viermal den Papst zu ausführlichen Gesprächen traf. Kombiniert mit umfangreichem Material aus dem Archiv der katholischen Kirche und ein paar Spielszenen aus dem Leben von Franz von Assisi entstand so „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“.

Franziskus Herr Wenders, wie läuft das eigentlich ab, wenn man den Papst kennenlernt? Zunächst habe ich mich erst einmal zweieinhalb Jahre vorbereitet, bevor es dazu kam. Als der Moment dann endlich bevorstand und mein Team zum ersten Mal drehfertig und in großer Erwartung bereit war, kam er ganz alleine in den Raum, ohne irgendeine Entourage. Wir haben uns die Hand gegeben, und ein paar Minuten später begann dann auch schon das erste von unseren vier ausführlichen Interviews. Da war dann auch zum ersten Mal mein Spanisch gefragt, denn wir hatten vereinbart, alles auf Spanisch zu machen. Ich musste im Vorfeld sprachlich einiges nachholen, auch wenn Spanisch mal meine erste Fremdsprache gewesen ist.

Wusste der Papst, wen er da vor sich hat? Das erste, was er zu mir sagte war, dass er meine Arbeit nicht kennt. Denn tatsächlich hat er noch nie einen Film gesehen. Man hatte ihm natürlich viel von mir erzählt, aber er guckt wohl einfach keine Filme. Auch diesen hier nicht. Die Idee für das Projekt kam deswegen auch vom Präfekten der Kommunikationsabteilung, der Film studiert und auch Bücher über Film geschrieben hat. Der wusste, was er tat, meinte der Papst. Da die Idee für den Film vom Vatikan kam: Welche Vorgaben gab es für Sie als Filmemacher? Null Komma Josef! Ich konnte ihn fragen, was ich wollte. Und jenseits der vier langen Gespräche habe ich gar nicht mit dem Papst gedreht. Alle Reisebilder, etwa von den Philippinen, dem amerikanischen Kongress oder der UNO, stammen von zwei jungen Kameramännern, die ihn immer begleiten, dazu kamen Aufnahmen von Fernsehstationen und Nachrichtenagenturen.

Was reizte Sie daran, einen Film über den Papst zu drehen? Dieser Mann hat mich interessiert, noch bevor ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Schon als damals auf dem Petersdom verkündet wurde, dass der neue Papst sich den Namen Franziskus gegeben hatte, bin ich vor dem Fernseher aufgestanden und habe gesagt: Das gibt’s nicht! Dass sich einer traut, sich in die Tradition des Franz von Assisi zu stellen, hat mich auf Anhieb beeindruckt.

Soweit damals Ihr erster Eindruck. Wie haben Sie ihn dann tatsächlich erlebt, in der persönlichen Begegnung und der Auseinandersetzung mit diesem Mann?

Dieser Papst ist ein sehr kommunikativer Mensch, mit einer großen Menschenfreundlichkeit und enormen Herzlichkeit. Wie er auf die Menschen zugeht und in sehr einfache Worte fasst, was er vertritt, das ist ein ganz neuer Wind, der da aus dem Vatikan weht. Ein franziskanischer Wind eben.

Das Wort „Gott“ fällt im Film erstaunlich spät. Eine bewusste Entscheidung?

Natürlich habe ich ihm auch Fragen nach seinem Glauben gestellt. Aber das ist nun mal auch seine Art zu sprechen. Er hat ein enorm großes Grundvertrauen, aber ebenso eine sehr große Sorge, dass mit den Geschöpfen Gottes gerade etwas ziemlich aus dem Ruder läuft. Die Tatsache, dass immer mehr Menschen ins Abseits geschoben werden, treibt ihn so sehr um, dass er gar nicht so viel von Gott reden muss, aber trotzdem verständlich macht, was ihn dazu bringt, sich nicht zuletzt zu den sozialen Fragen zu äußern.

Kommen wir zur Gretchen-Frage: Wie halten Sie es selbst mit der Religion?

Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich bin katholisch aufgewachsen und später konvertiert, also Protestant geworden. Aber ich bin eher ökumenischer Christ und finde die Unterschiede eher befruchtend. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Menschen an der Basis viel weiter mitder Ökumene sind als die Kirchen selbst.

Die Kirche selbst ist ohnehin kein allzu großes Thema in Ihrem Film. Warum blenden Sie den Apparat hinter dem Papst derart aus?

Das wäre ein ganz anderer Film. Einer über den Konflikt zwischen einem Erneuerer und dem Apparat, den er bewegen muss. Das hätte man auf jeden Fall auch machen können, aber dann bräuchte es einen anderen Filmemacher, mit einem anderen Talent. Ich mache Filme über Dinge und Menschen, die ich liebe und schätze und mit anderen Menschen teilen will. Ob das nun Musik aus Havanna ist oder die Choreografien von Pina Bausch. Aber ich bin kein großer Kritiker.

Interview: Patrick Heidmann