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Kinostart der Woche

12.07 I Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

Kinostart der Woche - 12.07 I Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

AUF DER SUCHE NACH INGMAR BERGMAN

Weltkino • 12. Juli

Margarethes Meister

Über ihr großes Vorbild hat Margarethe von Trotta den Dokumentarfilm „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ gedreht.

IngmarBergmanFrau von Trotta, Sie haben Ingmar Bergman in den Sechziger Jahren als Studentin in Paris für sich entdeckt. Warum hinterließen seine Filme bei Ihnen solchen Eindruck?

Als ich in Düsseldorf aufwuchs, interessierte man sich bei uns in der Familie für Oper, Konzerte und Kunst, nicht für Kino. In den Fünfziger Jahren gab es in Deutschland ja auch nicht viel mehr als Heimatfilme. Wir haben vielleicht sonntags bei Regen mal ein Melodram mit O.W. Fischer gesehen, aber eigentlich haben wir Film nicht ernst genommen. Das änderte sich für mich in Paris durch meine Kommilitonen. „Das siebte Siegel“ war damals der erste Film, den ich dort sah – und plötzlich fand ich alles, was ich sonst in Ausstellungen, Konzerten und anderswo hätte einzeln suchen müssen, wie in einem Prisma zusammengefasst.

Trotzdem haben Sie gezögert, diese Dokumentation zu drehen... Na klar, denn von da an war er ja mein Meister. Er war der große Gott des Kinos für mich, der mich auch später weiter begleitet hat. Nach ’68 wurde ich ja eine Linke und war, wie wir alle im deutschen Kino der Siebziger Jahre, politisch motiviert, was er nicht wirklich bedient hat. Trotzdem kam ich nicht von ihm los, schließlich hat er mich in gewisser Weise zum Film gebracht. Er war also für mich eine Ikone, wie man sie eigentlich nicht anrühren sollte. Aber alle haben so auf mich eingeredet, dass ich die Richtige dafür sei, weil ich ihn ja auch kannte, dass ich irgendwann nachgegeben habe.

Würden Sie sagen, dass nicht zuletzt sein Blick auf weibliche Figuren ihn von anderen Regisseuren seiner Generation unterscheidet?

Natürlich. Im Hollywood-Film hat es auch die großen weiblichen Stars gegeben, aber das waren oft ziemliche Klischeefiguren. Bergman dagegen hat die moderne Frau gezeigt, die weder den Männern unterworfen noch eine Hexe oder ein Vamp war. Diese Kategorisierungen hat er nicht mitgemacht, und das war außergewöhnlich. Olivier Assayas sagt es ja in meinem Film: Er hat Filme gedreht über die Frauen, die es in der schwedischen Gesellschaft gab. Das war schon eines der Hauptmerkmale, das Bergman zu einem so besonderen Regisseur machte. Und natürlich die Tatsache, dass er sehr, sehr tief in die menschliche Psyche und das menschliche Leiden vorgedrungen ist – und dabei immer so ehrlich mit sich selbst war.

Patrick Heidmann