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DVD Vorstellungen der Woche

DVD Vorstellungen der Woche

Churchill

Universum, 29.09.2017

Churchill London, 1944: Wenige Tage vor der geplanten Landung der Alliierten in der Normandie plagen den britischen Premierminister Winston Churchill (Brian Cox) Zweifel. Er will die Militäroperation mit aller Macht verhindern, weil sie zu viele Opfer kosten würde. Eine interessante Anekdote des Zweiten Weltkriegs, die „Churchill“ hier erzählt. Leider entbehrt sie jedweder historischen Grundlage. Churchill war zu diesem Zeitpunkt vollständig von der Notwendigkeit des Vorgehens überzeugt, vermutlich geradezu euphorisiert. Die Drehbuchautorin und Historikerin Alex von Tunzelmann nahm sich jedoch die narrative Freiheit, Churchills Bedenken aus den Jahren zuvor dramatisch zu verdichten und zeitlich auf die Stunden vor dem D-Day zu verlagern. Für einen Film, der an der Oberfläche jedoch vorgibt, einen fokussierten Blick auf ein bislang unerzähltes Momentum der Geschichte zu werfen, ein nicht ganz unproblematischer Kniff. So muss man als Zuschauer selbst entscheiden muss, ob Historizität vor Dramatik kommt.

Sven Sakowitz


Mata Hari

Studio Hamburg, 29.09.2017

Mata Hari Anlässlich des 100. Todestages von Mata Hari widmet sich eine ARD-Produktion der geheimnisumwobenen Erotiktänzerin. Im Zentrum steht das Streben zweier Frauen nach Anerkennung in einer männerdominierten Welt. Die ehrgeizige deutsche Offizierin Schragmüller beauftragt die niederländische Tänzerin als Spionin. Mata Hari erhofft sich so Zugang zur mondänen Pariser Welt, in der sie vor Kriegsbeginn Erfolge feierte. Sie wird zum Spielball zwischen den Fronten. Ihre Geldnot treibt sie zudem in eine gefährliche Rolle als Doppelagentin, die sie letztlich das Leben kostet. Der Gegensatz zwischen den beiden Frauen steht bei all dem stets im Fokus. Ausufernder Federhut auf der einen, militärisch-steife Uniform auf der anderen Seite. Die Dialoge sind teilweise offensichtlich stereotyp, doch birgt gerade der Antagonismus von strenger Wissenschaftlerin und nostalgischer Lebedame das Potential des Films. Dies zu durchdringen, hätte man dem Zuschauer auch ohne explizite Darstellung durchaus zutrauen können.

Julia Caspers


Una und Ray

Weltkino, 29.09.2017

Una und Ray Wer bislang „Moonlight“ für das Drama des Jahres gehalten hat, sollte einen Blick auf dieses Kammerspiel werfen. „Una und Ray“ ist die cineastische Adaption des Theaterstücks „Blackbird“ von David Harrower, der Australier Benedict Andrews übernahm die Regie. Als Una noch minderjährig war, hatte sie eine – ja, was – Affäre, Beziehung zu dem viel älteren Ray, der hierfür ins Gefängnis ging und sich später ein neues Leben hinter einer idyllischen Reihenhaus-Fassade aufgebaut hat. Bis Una unerwartet bei seiner Arbeit auftaucht und ihn mit den Geschehnissen konfrontiert. So entspinnt sich um die beiden Charaktere, brillant von Rooney Mara und dem oftmals unterschätzten Ben Mendelsohn gespielt, ein wahrlich großes Drama um existenzielle Themenkreise wie wahre Liebe, Vergebung, Schmerz und Traurigkeit – verpackt in ein allzu karges Büro-Setting. Wobei Harrower keine definitiven Antworten geben kann und will, und so ertappt man sich auch als Zuschauer hin- und hergerissen zwischen den Protagonisten.

Jonas Grabosch