Kino

Die Neustarts der Woche

Wind River • Playing God

Die Neustarts der Woche - Wind River • Playing God

Wind River

Wild Bunch • 08. Februar

Wind River PosterWyoming. Cory Lambert (Jeremy Renner) heizt mit einem Schneemobil über weiße Gebirgspisten. Sein Gesicht ist erstarrt. Nur kurz lässt sein eisiger Blick so etwas wie Rast- und Ratlosigkeit aufblitzen. Dass Western und Winter harmonieren, zeigten im vergangenen Jahrzehnt bereits eindrucksvoll das Kammerspiel „The Hateful 8“ und der Historien-Thriller „The Revenant“. 2018 wirkt „Wind River“ wie der geglückte Zögling der beiden Kinohits. So spannend sich klaustrophobische Gefühle auf große Ebenen, in denen zunächst die 18-jährige Natalie (Kelsey Asbille) tot aufgefunden wird, ehe sich Wildtierjäger Lambert gemeinsam mit Greenhorn Jane Banner (Elizabeth Olsen) auf die Suche nach Antworten begibt. Gewalt wird dabei sowohl physisch zwischen den Figuren, als auch auf der Bildebene ausgehalten. Doch weder im Spektakel des Showdowns noch im Antlitz der Bergketten liegt deren Bedeutung. Vielmehr brodelt die Kraft des Films in den unergründlichen Tiefen einer Tristesse über die Endlichkeit des Seins.

Benjamin Freund


Playing God

RealFiction • 08. Februar

Playing god plakatOb Rentenkürzungen, die BP-Ölkatastrophe oder 9/11: Er ist der Mann für die harten Fälle. Die deutsche Regisseurin Karin Jurschick beleuchtet das Schaffen eines US-amerikanischen Anwalts, der als Sonderbeauftragter für die Zuteilung von Schadenssummen aus Entschädigungs-Fonds der US-Regierung eingesetzt wird. Sorgfältig wählte sie dabei ihre Interviewpartner aus: Vom Hedgefond-Manager bis zum Shrimp-Fischer lässt sie Menschen zu Wort kommen, die von den Entscheidungen des Juristen betroffen sind. Ein nüchterner Erzählstil betont die harten, mathematisch unterfütterten Entscheidungen, die Ken Feinberg trifft. Als Richter und Geschworener in einer Person, balanciert er zwischen kühler Rechtsanwendung und Empathie. Die berufsbedingt harte Schale vermag Jurschik nur in Momenten zu durchbrechen, dennoch gibt die Dokumentation einen interessanten Einblick in eine staatliche Entschädigungspraxis, von der die Angehörigen der Opfer des Anschlags am Breitscheidplatz nur träumen können.

Nora Harbach