Kino

Die Neustarts der Woche

Die Neustarts der Woche

Detroit

Concorde, 23.11.2017

Detroit Die ersten zwei Minuten von Kathryn Bigelows „Detroit“ erzählen mehr über das Wie und Warum der Migration vieler Afro-Amerikaner von Süd nach Nord als es je ein Spielfilm getan hat. Die folgenden 140 Minuten rekapitulieren das Was, das sich in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1967 im Algiers Motel in Detroit zutrug. Fast dokumentarisch schraubt sich Bigelow dafür in die 12. Straße der Autostadt, so wie sie das auch schon bei der Jagd auf Bin Laden in „Zero Dark Thirty“ und vor allem beim Chaos des Irak Kriegs in „The Hurt Locker“ getan hat. In der 12. tobt der Kampf Schwarz gegen Weiß. Im Algiers Hotel, ein bis zwei Kilometer davon entfernt, feiern zwölf junge Menschen die Heimkehr zweier Vietnam-Veteranen. Drei von ihnen werden am nächsten Morgen tot sein. „Detroit“ ist jedoch nicht nur ein klaustrophobischer Thriller, sondern in all seiner Enge und Brutalität ein Abgesang auf Gleichheit und Gerechtigkeit. Mit größerer Aktualität als man sich während des Drehs 2016 hätte vorstellen können.

Edda Bauer


Aus dem Nichts

Warner, 23.11.2017

Aus dem Nichts Fatih Akin und Hark Bohm als Team beim Skript, das hat zuletzt die Roman-Adaption „Tschick“ hervorgebracht. Insofern verwundert es schon, welche Töne „In The Fade“, so der englische Titel von „Aus dem Nichts“, anschlägt und bis zuletzt ausschmückt. Rockfans haben da bereits aufgehorcht, denn „In The Fade“ heißt ebenso ein Song der Queens Of The Stone Age, deren Kopf Josh Homme gleich mehrere Lizenzen springen ließ, nachdem er erfuhr, dass Akin bei der Vorarbeit zum brisanten Rachethriller mit Diane Kruger ausschließlich seine Musik zur Inspiration herangezogen hatte. Kruger gibt als verzweifelte Witwe Katja eine erfreulich unglamouröse Vorstellung, und Akins Kritik am voreingenommenen Handeln der Polizei nach den NSU-Anschlägen mag undifferenziert anmuten, hält aber nichts vom Filmemachen als Fingerübung im Graustufen setzen, sondern birgt ein klares Statement. So ist „Aus dem Nichts“ nicht zuletzt dank seiner Haltung besonders im letzten Drittel ein würdiger Kandidat für den Auslands-Oscar.

Carlotta Valdes