Literatur

Buch der Woche

„Martin Suter - Elefant“

Diogenes · 18. Januar

Buch der Woche - Martin Suter - Elefant

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge“, sprach Wilhelm Busch, der mit dieser Sentenz die Blaupause von Martin Suters neuem Roman „Elefant“ vorwegnahm. So tritt plötzlich ein leuchtender, rosa Mini-Elefant in das Leben der Menschen in Zürich und dem schweizerischen Umland. Doch was für den Obdachlosen Schoch wie ein Geschenk des Himmels erscheint, entpuppt sich für den Genforscher Roux, der dieses fantastisch anmutende Wesen erschuf, zum Spießrutenlauf. Suter gelingt es, eine packende Erzählung um diese biologische Begegnung der magischen Art zu spannen. Eloquent, voller narrativer Wendungen, wird die Entwicklung jener Menschen skizziert, die das Geschöpf aus den unterschiedlichsten Motiven in seinen Bann zieht - sei es Gier, Tierliebe oder das Finden zu sich selbst. Wie eine Metapher auf die Fallstricke der modernen Gesellschaft zwischen Hochfinanz und bitterer Armut, wirkt dieser rosa Rüssel. Subtil und unterhaltsam zugleich.

Björn Eenboom