Polina Semionova

Polina Semionova

„Ein technischer Patzer wird vergeben - Unsicherheit jedoch nicht.“

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  • Jonas Holthaus
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Zur Person

Berlin, 16. November 2017. In den großzügigen Proberäumen des Berliner Staatsballetts herrscht angespannte Konzentration. Auf dem Plan steht das abstrakte Stück „Jewels“ von George Balanchine, die Aufgabe der Tänzer ist es, verschiedene Edelsteine als Ballett darzustellen. Polina Semionova ist der Star des Ensembles und tanzt den Diamanten. Nach der Probe empfängt uns die 33-Jährige zum Interview. Sie spricht über ihre Erfahrungen als junges Mädchen auf der legendären Moskauer Bolschoi-Schule und erzählt, wie die Geburt ihres ersten Sohnes das Leben einer Primaballerina verändert.

Frau Semionova, die erste Solotänzerin im Ballett wird auch Primaballerina genannt. Sie haben einmal gesagt, dass Sie diesen Titel nur ungerne hören. Warum?

Man verbindet mit der Vorstellung einer Primaballerina automatisch etwas Divenhaftes. Aber eine Diva will ich nicht sein. Okay, eine divenhafte Ausstrahlung ist vielleicht sogar wichtig, da gehört das bei einigen Parts dazu. Dieser Ausdruck darf aber nicht dazu führen, dass das Divenhafte die eigene Persönlichkeit beeinflusst. Das führt zu Arroganz, und die mag ich nicht. Der gegenseitige Respekt aller, die an einer Vorstellung beteiligt sind, muss gewahrt bleiben. Die Garderobenfrau ist genauso wichtig wie alle anderen, das merken Sie als Zuschauer spätestens dann, wenn Sie nach der Vorstellung Ihre Jacke wiederbekommen. Auf der Bühne eine Diva zu sein, geht in Ordnung, privat sollte man aber immer bescheiden bleiben. So bin ich aufgewachsen und erzogen worden.

Ist Arroganz unter Tänzerinnen und Tänzern weit verbreitet?

Überhaupt nicht, die allermeisten Tänzer sind sehr bodenständig. Unser Beruf bedeutet enorm viel harte Arbeit. Dazu gehört viel Disziplin. Das Klischee von der Diva auf und abseits der Bühne ist vielleicht eher den Opernsängern vorbehalten.

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