Peter Schneider

Peter Schneider

„Denken verleiht dem Leben eine gewisse Leichtigkeit.“

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Zur Person

23. November 2017, Zürich. Kurz bevor ich Peter Schneider anrufe, fällt mir auf, dass sich die Tätigkeiten eines Psychoanalytikers und eines Interviewers ähneln: Beide wollen mit wenigen Fragen reichhaltige Antworten bekommen. In der Schweiz ist Peter Schneider seit mehr als 25 Jahren auch als Satiriker und Kolumnist bekannt, seine Interviews sind berüchtigt, weil er Verallgemeinerungen verabscheut und gerne Haken schlägt. Das Gespräch beginnt auf der Couch, handelt vom Pseudo-Tourette sowie von der Provokation des Sowohl-als-auch und endet umsorgt von Krankenschwestern auf dem Sterbebett.

Herr Schneider, wen hätten Sie gerne mal auf Ihrer Couch?

Das Schöne an der Psychoanalyse ist, dass man immer wieder von den Leuten überrascht wird, die zu einem kommen. Ich würde mir ungern jemanden aussuchen, von dem ich denke, dass es interessant wird – weil es dann eben garantiert langweilig wird. Wenn ich mir zum Beispiel jemanden wünsche, der einen Ödipuskomplex aus dem Lehrbuch mitbringt, ja, dann kommt der eben und ich frage ihn genau das, was ich laut Lehrbuch fragen sollte. Gut, Angela Merkel würde ich gerne kennenlernen – aber nicht therapeutisch. Man ist oft enttäuscht von Persönlichkeiten, die man bewundert hat und dann aus der Nähe kennenlernt. Andersrum ist man oft angenehm von Menschen überrascht, die man nicht ausstehen konnte.

Warum ist das so?

Je mehr man von jemandem weiß, desto nachvollziehbarer werden seine Handlungen und Haltungen.

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