Patrick Hundt

Patrick Hundt

„Digitaler Nomade ist kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung.“

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Zur Person

29.01.2014, Oaxaca. Patrick Hundt gehört zu einer Spezies, die erst vor kurzem entdeckt wurde: Er ist Digitaler Nomade. Vom Aussterben ist seine Art gewiss nicht bedroht – die Zahl der dauerhaft weltreisenden Internetarbeiter wächst. Seit knapp zwei Jahren ist Hundt rund um den Globus unterwegs, verdient seinen Lebensunterhalt als Online-Marketingberater sowie mit seinem Reiseblog www.101Places.de und hat lediglich einen natürlichen Feind: schlechte WiFi-Verbindungen. Wie er reist, wo er arbeitet, wovon er lebt und welche Tipps er Menschen gibt, um die höchste Evolutionsstufe des Freelancers zu erreichen, erklärt der 31-Jährige bei einem Skype-Gespräch aus Mexiko.

Herr Hundt, in Deutschland, dem Land der Ingenieure und Versicherungsvertreter, werden alternative Lebensmodelle noch immer skeptisch beäugt. Wie haben Sie es geschafft, aus dem System auszubrechen?

Patrick Hundt: Wenn ich erzähle, dass ich Digitaler Nomade bin, fragen mich die Leute oft: Und davon kann man leben? Bis heute wird das Arbeiten im Internet kaum als richtiges Arbeiten wahrgenommen, auch in einer Festanstellung in Deutschland nicht. Dabei habe ich schon zuvor sechs Jahre lang online gearbeitet. Nach meinem BWL-Studium habe ich Online-Marketing bei einem Bekleidungshändler gemacht und danach meine eigene Online-Marketing-Agentur in Leipzig geleitet. Schon damals brauchte ich zum Arbeiten nicht mehr als meinen Laptop und ein Smartphone. Als mir alles zu viel wurde, habe ich die Agentur verkauft und bin nach Amerika geflogen. Das war 2012. Ich wollte den Kopf frei kriegen und mir darüber klar werden, was ich als nächstes anstellen möchte.

Gab es einen Impuls oder einen Moment der Inspiration, der Ihnen zu diesem mutigen Schritt in ein neues Leben verholfen hat?

Allerdings. Nachdem ich die Agentur verkauft hatte, ging ich nach San Francisco, eben um mich zu sammeln und auf andere Gedanken zu kommen. Dort wohnte ich bei jemandem, der damals schon ein ähnliches Leben führte wie ich heute, ein überaus kreativer Kopf, der witzige Prototypen baute, beispielsweise von einem Beinhalfter für das iPad Mini. All die Gespräche mit ihm waren eine große Inspiration für mich. Ich lieh mir ein Fahrrad, ergründete die Stadt, und plötzlich fiel mir auf, dass in den Cafés in San Francisco jeweils 20 Leute mit ihrem Rechner saßen und arbeiteten. Also tat ich dasselbe: Ich bastelte an einigen kommerziellen Internetseiten, die sich rein über Werbung monetarisierten, und hielt meine Freunde und Familienangehörigen zu Hause in einem Blog auf dem Laufenden. So spürte ich zum ersten Mal dieses angenehm leichte Gefühl von Urlaub während des Arbeitens. Nebenbei sah ich die Golden Gate Bridge und fühlte mich einfach prima.

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