Michael Stipe

Michael Stipe

„Popsongs dürfen kein Ersatz für Bildung sein.“

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Zur Person

7. November 2017, Berlin. Nach dem friedlichen, aber überraschenden Ende seiner Band R.E.M. ließ sich Michael Stipe (57) eine üppige Gesichtsbehaarung wachsen. Der Ex-Rockstar wirkte wie ein Schrat, um viele Jahre gealtert. Nun ist der Bart wieder ab und Stipe ist in Berlin, um zusammen mit dem ehemaligen R.E.M.-Kollegen Mike Mills über eine neue Edition des Albums „Automatic For The People“ zu reden, das vor 25 Jahren erschien. Die beiden verstehen sich glänzend, im Interview gibt der Bassist den sympathischen Sidekick. Stipe spricht leise, aber bestimmt. Er schimpft über Ohrwürmer und die Medien, lobt das Schulsystem der 70er-Jahre. Am Ende die Frage, die kommen muss: Ist ein R.E.M.-Comeback möglich? „Niemals. Warum sollten wir das tun? So wie jetzt ist doch alles gut.“

Mr. Stipe, Sie haben gerade im Begleitbuch zur neuen Auflage des R.E.M.-Meisterwerks „Automatic For The People“ geblättert. Das Album erschien vor 25 Jahren. Kommt Ihnen diese Zeit lang oder kurz vor?

Zahlen lügen nicht. Sprache aber auch nicht. 25 Jahre, das ist ein Vierteljahrhundert, und schon das Wort Jahrhundert kommt mit in diesem Zusammenhang sehr seltsam vor. In Jahrhunderten zu denken, ist eher eine Sache für Familiendynastien, nicht für Rockplatten.

Sie haben sich vor allem die Fotos aus dem Buch sehr lange angeschaut.

Das sind ausdrucksstarke Bilder aus einer interessanten Zeit. Schauen Sie dieses hier, aufgenommen im Meer, mir steht das Wasser beinahe bis zum Hals. Der Fotograf Anton Corbijn ist ein Hüne, fast zwei Meter groß. Ich bin dagegen deutlich kleiner. Als wir für diese Fotoserie ins Wasser stiefelten, forderte er: „Weiter rein, weiter rein, mir geht das Wasser ja gerade mal bis zur Hüfte.“ Ich ahnte Böses, zumal sich das Wasser aus irgendeinem Grund zurückzog. Ich wollte Anton gerade sagen, dass mir die Sache mit meinen 1,75 m nicht geheuer sei, da kam das Wasser zurück: Eine große Welle spülte mich einfach um.

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