Josef Hader

Josef Hader

„Sinn ist so wichtig wie Essen und Trinken.“

Fotos:
  • Enno Kapitzka
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Zur Person

10. November 2017, München. Da steht er, der Hader Josef, in der Hand eine Plastiktüte, er sagt, er habe noch Besorgungen gemacht. Im Gästehaus am Englischen Garten hat die Wirtin einen Ecktisch freigehalten. Draußen, am Kleinhesseloher See, ließe sich aber ebenso gut plaudern. Warum nicht? Der Entschluss ist gefasst, der Spaziergang beginnt. Keine Sonne, melancholisches Grau. Die letzten Blätter hängen goldbraun in den Bäumen, die anderen rascheln unter den Füßen. Der Kabarettist geht gemäßigten Schritts. Er formuliert seine Gedanken übers Mensch- und Fremdsein wohlbedacht, manchmal begleitet von einem leisen Lachen.

Herr Hader, welche Arbeit, die Sie mit Ihren eigenen Händen getan haben, war besonders hart?

Das war als Schüler, im Internat. In ein Fußballfeld wurde eine Drainage eingebaut, also ein Kanal, in dem sich der Regen sammelt und abgeleitet wird. Dafür musste man ein paar Tage lang die Erde aufgraben. Da hatte ich blutige Schwielen an den Händen. Dass ich für körperliche Arbeit nicht so geeignet bin, hat sich aber schon früher herausgestellt. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und die Eltern haben schnell erkannt, dass sie den Hof dem jüngeren Bruder geben müssen. Ich hatte vom Staub ständig geschwollene Schleimhäute, besonders beim Dreschen von Getreide. Immer, wenn die Arbeit zu Ende war, bin ich in den kühlsten Raum unseres Bauernhofs geflüchtet und habe dort gelesen.

Muss Arbeit anstrengend sein, damit man von Arbeit sprechen kann?

Ich bin ja ein Glücksfall, ich habe meine Neigungen zur Arbeit gemacht. Aber viele Menschen haben dieses Glück nicht, die leiden unter ihrer Arbeit. Vielleicht wird der Arbeitsbegriff in Zukunft umdefiniert werden müssen. Immer weniger Arbeit wird auf immer mehr Menschen verteilt werden. Vielleicht gibt’s dann mehr Arbeit, die Spaß macht, weil die Roboter die stumpfsinnigen Tätigkeiten übernehmen, wer weiß?

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