Glen Hansard

Glen Hansard

„Wir müssen der Kunst dienen, nicht umgekehrt.“

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  • Presse / Danny Clinch
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Zur Person

23.06.2015, Köln. Die „Wohngemeinschaft“ ist zugleich Hostel, Bar und Off-Theater, im Stil so gehalten, dass es dem irischen Sänger und Songwriter zwangsläufig gefallen muss: Alles ist retro und leicht abgegriffen, aber stilvoll. Hansard schlägt vor, das Interview auf der Bühne des Theaters zu machen. Dort sitzt man sich gegenüber, und die Gedanken sprudeln los: Über Aufrichtigkeit in der Kunst, kaputte Gitarren, die zum Mahnmal gegen Selbstgefälligkeit werden, selbstbesoffene Rockstars, die Folgen eines Oscar-Gewinns, die Peinlichkeit, die ein Business-Class-Ticket begleitet, oder den Diskjockey, der die Party unseres Lebens schmeißt und den Namen „Lüge“ trägt. Nach knapp einer Stunde stellt man fest: Den vorher überlegten Fragenkatalog hätte es wirklich nicht gebraucht.

Mr. Hansard, als Sie Ende 2012 das letzte Mal auf Tournee in Hamburg waren, spielten Sie nachmittags ein Akustik-Konzert in einem Plattenladen vor 200 Zuschauern und abends eine ausverkaufte Show mit Ihrer achtköpfigen Band vor fast 2.000 Menschen. Irgendwie beschlich einen dabei das Gefühl, dass Ihnen der kleine Instore-Gig fast mehr Freude gemacht hat als das große Konzert am Abend.

Glen Hansard: Ja, ich erinnere mich sehr gut an den Tag. Sie drücken das jetzt ein bisschen hart aus, denn natürlich freue ich mich sehr, wenn ich einen großen Club mit meiner Musik ausverkaufen kann und die Intensität einer so großen Zuschauermenge spüre. Und doch hatte dieser Auftritt in dem Plattenladen etwas Magisches. Es war einer dieser Momente, in denen man den Eindruck hat, das eigene Leben sei so etwas wie ein Film, in dem man unerwartet die Hauptrolle spielt. Das war wirklich ein fantastischer Nachmittag, an dem ich mich so willkommen gefühlt habe wie nur selten. Die Menschen, die da waren, waren alle so liebevoll und herzerwärmend. Das hat sich unmittelbar auf mich übertragen. Sagen Sie: Ist der Shop in der Nähe? Wollen wir heute nach den Interviews noch mal dorthin fahren?

Das wird schwierig. Hamburg ist rund 500 Kilometer entfernt.

Ach schade. Dann verzeihen Sie diese dumme Frage. Ich bin entsetzlich schlecht in Geografie. Und seitdem ich auch die Tourbusse nicht mehr selber fahren muss, verliere ich regelmäßig die Orientierung, in welchem Teil eines Landes ich mich gerade befinde. (lacht)

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