Farin Urlaub

Farin Urlaub

„Was mich ausmacht, trage ich im Kopf, was mich formt, sind die Reisen.“

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  • Thomas Duffé, Olaf Heine
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Zur Person

23.10.2014, Potsdam, in einem Besprechungsraum des RBB. Bis gerade eben gab Farin Urlaub noch ein Radio-Interview, jetzt steht er GALORE ganz zur Verfügung. Der Die Ärzte-Sänger, der gegenwärtig mit einem weiteren Album seines Farin Urlaub Racing Team überzeugt, ist mit Jeans, Pulli und Turnschuhen – allesamt in existenzialistischem Schwarz – bemerkenswert schlicht gekleidet. Augenblicklich bunter wird es dagegen jedes Mal, wenn das Gespräch auf die Dinge kommt, die den Musiker in seiner privaten Welt beflügeln: Lesen, Reisen, Fotografieren. Das An- und Weiterkommen, das Entdecken von Kulturen, das Ergründen von Fremdartigkeit und den Luxus der Neugier. Urlaub ist offenherzig und direkt. Lediglich bei einem Thema, das selbst für ein ausführliches Interview zu komplex scheint, wiegelt er ab: Die globalen Verstrickungen von Religion müsse man ein andermal erörtern.

Farin, Ihr Name wird von Journalisten häufig im direkten Zusammenhang mit Herbert Grönemeyer genannt, schließlich würden sie beide zu den letzten deutschen Künstlern zählen, die im Bereich von Plattenverkäufen noch immer 'funktionieren'. Erzeugt das ein Gefühl von Angekommensein bei Ihnen?

Farin Urlaub: Ich lese sowas ja nicht, das ist nicht meine Welt. Es ist nicht so, dass ich so uneitel wäre, dass es mich gar nicht interessiert, was die Leute so schreiben, aber tatsächlich interessiert mich eher, was der Fan denkt. Deshalb hatte ich jetzt gerade für zehn Tage mein Postfach geöffnet, um die Meinung „von der Straße“ einzufangen. Das interessiert mich wirklich, und das lese ich auch aufmerksam und ausführlich.

Vermutlich fallen die Reaktionen Ihrer Fans sehr positiv aus...

Ich bin ein paar Mal echt rot geworden, aber es gibt natürlich auch welche, die kacke finden, was ich mache. So ist das nun mal: Man kann kein Album aufnehmen, das jedem gefällt. Ich habe neulich eine interessante Geschichte über die Bee Gees gelesen, die Mitte der 70er im Prinzip die gesamte Pop-Welt beherrscht haben. Auf allen Radiostationen der Welt lief 15 Mal am Tag Bee Gees – und im Jahr danach wollte niemand mehr etwas von ihnen wissen. Alle waren so übersättigt, dass keiner mehr die Bee Gees hören wollte. Das ist wohl die Konsequenz, wenn man ein Album macht, das jedem gefällt: Im nächsten Jahr hassen sie dich. Und das will ich nicht, denn nächstes Jahr gehen wir auf Tour. (lacht)

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