Christine Bruhn

Christine Bruhn

„Der Kaiserschnitt ist eine OP – keine Geburt“

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  • Anne-Lena Michel
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Zur Person

16. November 2017, Berlin. Es ist ein ungemütlicher Herbsttag. Auf dem Spandauer Damm kriechen die Autos schleppend voran, das Quietschen vom S-Bahnhof Westend zehrt an den Nerven. Im nur ein paar Meter von der Straße entfernten Büro von Christine Bruhn, Geschäftsführerin des Geburtshauses Charlottenburg, kommt dieser Stress nicht an. Bevor das Interview beginnt, führt Bruhn durch die behaglichen Räumlichkeiten und lädt zum Tee in ihr Büro ein. Dann sprechen wir über die Krise eines enorm wichtigen Berufs. Über viel zu hohe Haftpflichtprämien für Hebammen und den Sinn hinter der Komplexität einer natürlichen Geburt.

Frau Bruhn, es heißt, die Geburt präge das ganze Leben. Wie kann man sich das vorstellen?

Die Geburt verkörpert den Übergang jedes Einzelnen vom inneren ins äußere Leben. Die Franzosen nennen sie auch „rite de passage“ – das Ritual des Übergangs. Dieser Prozess ist unglaublich komplex und erzeugt einen starken Widerhall bei Mutter und Kind. Die Vorstellung, das Kind sei bei der Geburt noch ein unbeschriebenes, weißes Blatt, gilt schon lange nicht mehr.

Wie äußert sich das konkret?

Die Nabelschnur ist der wichtigste Übertragungsweg zwischen Mutter und Kind. Ist die Mutter unter der Geburt Stress ausgesetzt, und das ist eigentlich immer der Fall, bekommt auch das Ungeborene das zu spüren: Angst führt zur Ausschüttung von Adrenalin, dadurch verhärten sich die Muskeln der Mutter. Das kann sich auf den Herzschlag des Kindes auswirken und bedeutet im schlimmsten Fall einen Geburtsstillstand.

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