Björn Kern

Björn Kern

„Durch Arbeit kann man sehr viel Unheil anrichten.”

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Zur Person

Leipzig, 18.03.2016. Früher war Björn Kern auf der Buchmesse als Autor hochliterarischer Geschichten präsent. Seine Romane wie „Einmal noch Marseille“ oder „Das erotische Talent meines Vaters“ gehören zum Eindringlichsten, was die deutsche Literatur des jungen 21. Jahrhunderts zu bieten hat. Ehemals Berliner Stadtbewohner und umtriebiger Kulturschaffender, ist Kern in diesem Jahr als praktischer Gesellschaftsphilosoph zu Gast. Als Besitzer eines absichtlich unrenovierten Hofes im Oderbruch übt er sich seit geraumer Zeit im konsequenten Vermeiden unnötiger Arbeit. Seine Lebenskunst des „Nichtstuns“ ist kein Plädoyer für die Faulheit, sondern für das Weglassen alles Sinnlosen. Wie man es erkennt und wo es überall lauert – dafür öffnet einem ein Gespräch mit ihm die fleißverklebten Augen.

Herr Kern, was haben Sie heute schon getan?

Ich habe versucht, mich weitestgehend vor der Messe zu drücken und mich draußen aufzuhalten. Nichtstun gelingt dort immer besser als in geschlossen Räumen. Erst kurz vor unserem Termin habe ich mich in die Hallen geschlichen und prompt überfiel mich die Abkehr vom Nichtstun. Auf einer Messe ist Nichtstun eine fortgeschrittene Kunst, die selbst ich noch nicht beherrsche.

Auch, wenn sie nur ein normaler Besucher wären?

Gerade dann! Man wird hier in einen Sog der Hyperaktivität gerissen, des Blickfeuerwerks und des Informationsaufsaugens. Wie das Durchklicken, das man sonst nur virtuell aus dem Netz kennt. An diesem Stand steht der Autor eines bekannten Romans, nebenan sein Kollege, da ist noch ein spannender Titel, und wo habe ich diesen Mann schon mal gesehen? Das sind zu viele Eindrücke und Optionen, um Nichtstun wirklich gelingen zu lassen.

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