Berlinale

GALORE berichtet zum Auftakt der 68. Internationalen Filmfestspiele in Berlin

GALORE berichtet zum  Auftakt der 68. Internationalen Filmfestspiele in Berlin

Foto: Edda Bauer

Theoretisch könnte die diesjährige Berlinale zu den glamourösesten in ihrer 68jährigen Geschichte gehören. Gleich zum Auftakt kommt ein Schwall bewährt fähiger und bewiesen witziger US-Schauspieler in die Hauptstadt, um Wes Andersons neue Komödie „Isle of Dogs – Ataris Reise“ mit einer fetten Weltpremiere ins Kino zu hieven. Bill Murray wird dabei sein, ebenso wie Bryan Cranston, Jeff Goldbum, Liev Schreiber, die Berlinale Galionsfigur Tilda Swinton und die aktuell für Regie- und Drehbuch-Oscar nominierte Greta Gerwig. Sie werden in die Kamera winken und Autogramme geben, um dann nie wieder mit diesem Film in Verbindung gebracht zu werden, jedenfalls nicht in Deutschland. Allesamt sind sie lediglich die englischen Stimmen der unzähligen Hunde in Andersons entzückend depressivem Puppentrickfilm. Dass sie trotzdem ins Land des Synchronisationswahns gekommen sind, hat vor allem symbolischen Wert.

So wie der rote Teppich, über den sie am Abend zur Premiere schreiten. Schauspielerin Claudia Eisinger sammelte bei Change.org 20.000 Unterschriften, damit er dieses Jahr durch einen schwarzen ausgetauscht wird. „In Hollywood trugen die Schauspielerinnen [bei der Golden Globe-Verleihung] schwarz. In Berlin wollen wir einen schwarzen Teppich“, schreibt sie in ihrer Petition, als Zeichen gegen sexistischen Übergriffe, Diskriminierung und Missbrauch. Das Schaulaufen am Abend findet aber auf traditionellem Rot statt, denn tatsächlich sagt die Berlinale schon von sich aus ganz offiziell und weit weniger symbolisch „NEIN zu Diskriminierung!“. So nämlich lautet der Titel der Aktion, die Betroffenen aus der Medienbranche, aber auch Kinopublikum gratis und anonym Beratungsangebote vermittelt. Auch wird es eine Podiumsdiskussion zum Thema geben, veranstaltet vom Bundesverband Schauspiel, der Antidiskriminierungsstelle und dem ProQuote e.V. Letztere treten übrigens auch für einen 50/50 Anteil von Filmen weiblicher und männlicher Regisseure bei Festivals ein. Davon ist die diesjährige Berlinale allerding noch sehr weit entfernt: Nur vier der insgesamt 24, und davon 19 konkurrierenden Filme in Wettbewerb wurden von Frauen inszeniert. Das sind relativ wenige. Die Quote von vier deutschen Filmen innerhalb von 24 internationalen Produktionen ist wiederum relativ hoch. Das taugt jedoch nur zum Ver-, aber nicht zum Ausgleich, auch wenn Emily Atef mit ihrem Drama um Romy Schneiders „3 Tage in Quiberon“ die Schnittmenge beider Gruppen bildet. Bei all den Symbolen und Relationen sind theoretisch auch Überraschungen drin. Zum Beispiel die, dass fortan mehr Filme in die Kinos kommen, die unter faireren und emanzipierteren Bedingungen entstanden sind und zudem im O-Ton gezeigt werden. Mit diesen 24 ließe sich vermutlich ein guter Anfang machen:

WETTBEWERB:

  • „3 Tage in Quiberon“ von Emily Atef (Deutschland / Österreich / Frankreich)

  • „Ang Panahon ng Halimaw“ (In Zeiten des Teufels) von Lav Diaz (Philippinen)

  • „Damsel“ von David Zellner und Nathan Zellner (USA)

  • „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ von Gus Van Sant (USA)

  • „Dovlatov“ von Alexey German Jr. (Russische Föderation / Polen / Serbien)

  • „Eva“ von Benoit Jacquot (Frankreich / Belgien)

  • „Figlia mia“ (Daughter of Mine) von Laura Bispuri (Italien / Deutschland / Schweiz)

  • „Las herederas“ (The Heiresses) von Marcelo Martinessi (Paraguay / Uruguay / Deutschland / Brasilien / Norwegen / Frankreich) – Debütfilm

  • „In den Gängen“ von Thomas Stuber (Deutschland)

  • „Isle of Dogs“ (Isle of Dogs - Ataris Reise) von Wes Anderson (Großbritannien / Deutschland) – Animationsfilm

  • „Khook“ (Schwein) von Mani Haghighi (Iran)

  • „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot von Philip Gröning“ (Deutschland / Frankreich / Schweiz)

  • „Museo“ (Museum) von Alonso Ruizpalacios (Mexiko)

  • „La prière“ (The Prayer) von Cédric Kahn (Frankreich)

  • „Toppen av ingenting“ (The Real Estate) von Måns Månsson und Axel Petersén (Schweden / Großbritannien)

  • „Touch Me Not“ von Adina Pintilie (Rumänien / Deutschland / Tschechische Republik / Bulgarien /Frankreich) – Debütfilm

  • „Transit“ von Christian Petzold (Deutschland / Frankreich)

  • „Twarz“ (Mug) von Ma?gorzata Szumowska (Polen)

  • „Utøya 22. Juli“ (U - July 22) von Erik Poppe (Norwegen)

AUßER KONKURRENZ:

  • „7 Days in Entebbe“ (7 Tage in Entebbe) von José Padilha (USA / Großbritannien)

  • „Ága“ von Milko Lazarov (Bulgarien / Deutschland / Frankreich)

  • „Black 47“ von Lance Daly (Irland / Luxemburg)

  • „Eldorado“ von Markus Imhoof (Schweiz / Deutschland) – Dokumentarfilm

  • „Unsane“ (Unsane - Ausgeliefert) von Steven Soderbergh (USA)

Edda Bauer