Berlinale 2017

Die Gewinner

Die Gewinner

GALORE Autorin Edda Bauer berichtet für uns während der 67. Filmfestspiele direkt aus Berlin und schildert regelmäßig ihre Eindrücke.


Bei so vielen Hirschen, Füchsen und Wildschweinen auf der Leinwand, zeichnete sich schon recht früh ab, dass auch die 67. Internationalen Filmfestspiele auf ein Bären-Finale hinauslaufen würden.

Folgerichtig ging dann auch der Goldene Bär an das Traum-Hirsch-Paar in der Schlachthof-Romanze „Teströl és lélekröl“ („On Body and Soul“). Regisseurin Ildikó Enyedi gehört zu den festen Größen des ungarischen Films, seit sie vor knapp 30 Jahren ihr Debüt mit der feministischen Komödie „Mein 20. Jahrhundert“ gab. Verbale Chauvi-Bugwellen sorgen auch in ihrer frisch gekürten Liebesgeschichte für Humor im Hintergrund.

Eine Grande Dame des Films ist auch Agnieszka Holland. Dass ihr Film „Prokot“ („Spoor“) mit dem Silbernen Bären (Alfred-Bauer-Preis) für die Eröffnung neuer Perspektiven ausgezeichnet wurde, mutet ein wenig seltsam an. Seit Holland nach der Oscar-Nominierung 1990 für ihr Drama „Hitlerjunge Salomon“ in den USA Fuß fassen konnte, tut die Polin nichts anders als neue Wege zu beschreiten - sei es visuell in der Serie „The Wire“ oder erzählerisch wie etwa als Co-Autorin zweier Teile von Krzysztof Kieslowskis Trilogie „Drei Farben: Blau, Weiß, Rot“. Dagegen ist „Prokot“ eher ein klassischer Thriller, dessen Naturschutz-Motivation immerhin originell ist.

Den langen Weg vom Podium zu den Sitzreihen macht in Sachen Regie der Bär selbst. In den Armen von Moderatorin Anke Engelke ließ er sich zu Gewinner Aki Kaurismäki bringen, nachdem dieser den Erfolg seiner launigen Flüchtlings-Tragödie „Toivon tuolla puolen“ („Die andere Seite der Hoffnung“, hierzulande ab dem 30.3. in den Kinos) schon am Nachmittag mutmaßlich mit einem Six-Pack Wodka gefeiert hatte.

Je eine silberne Trophäe für ihre Darstellung bekamen der Österreicher Georg Friedrich und die Südkoreanerin Kim Minhee. Spielt Friedrich im deutschen Vater-Sohn-Drama „Helle Nächte“ die größere Rolle (wofür er auch ausgezeichnet wurde), gibt er in Josef Haders Dramolett „Wilde Maus“ den lässigeren Typ. Kim Minhee hingegen darf in ihrer Rolle als frisch sitzen gelassene Schauspielerin die ganze Palette vom totalen Klischee bis zum völligen Gegenteil durchexerzieren. Die verletzten Gefühle im Zentrum von „Bamui haebyun – eoseo honja“ („On the Beach at Night Alone“) machen dies stets nachvollziehbar.

Je einen Silbernern Bären konnten auch Regisseur Alain Gomis für sein musikalisches Frauendrama „Félicité“ (Großer Preis der Jury) und Dana Bunescu für ihren Schnitt in dem therapeutisch statt chronologisch erzählten Beziehungsdrama „Ana, mon amour“ für sich beanspruchen. Regisseur Sebastián Lelio und Autor Gonzalo Maza teilen sich indes den Drehbuch-Bären für ihr Drama um Trauer und Transgender mit der großartigen Daniela Vega als „Una mujer fantastica“ („A Fantastic Woman“).

Edda Bauer