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A Summer's Tale - Nachbericht

A Summer's Tale - Nachbericht

Auch in seiner dritten Auflage hat das A Summer's Tale in Luhmühlen in der Nähe von Hamburg bewiesen, dass alles zusammengeht, was man sonst auf Festivals unmöglich hält: Großartige Musik, viele Familien, maximale Nachhaltigkeit, ausgezeichnetes Essen, kein Müll, wo er nicht hingehört - und viele weiterführende Veranstaltungen mit besonderem Mehrwert.

Das A Summer's Tale ist in der hiesigen Festivallandschaft definitiv einmalig – das sieht man schon am Sonntag, nachdem alles vorbei ist: Auf den Campingplätzen erinnern nur viele leicht gelb gewordene Grassoden daran, dass hier in den vergangenen vier Tagen an die 12.000 Menschen gecampt und gefeiert haben. Nicht ein einziges Fitzelchen Papier liegt herum, geschweige denn die sonst üblichen Massen an zurückgelassenen Zelten oder sonstigem Müll. Der (in der Regel etwas gesetztere) Besucher dieses zweifellos recht hochpreisigen Festivals weiß es eben zu schätzen, dass dieses Open Air auf Nachhaltigkeit und eine gute Verbindung zur Natur setzt. Es geht also doch – im übrigen ein Gedanke, der einem im Verlauf der vier Tage immer wieder kommt. Etwa in Bezug auf die Frage, ob junge Kinder Festival-tauglich sind. Ja, sind sie, und sogar geradezu in rauen Mengen: Es ist selbst für einen kinderlosen Besucher wunderschön anzusehen, wie all die Kinder mit ihren Mickymäusen auf den Ohren Sandburgen vor der Bühne bauen, durch die Gegend tollen und zusammen mit den Eltern Gebrauch machen von dem reichhaltigen Rahmenprogramm. Auch dürfte das A Summer's Tale das einzige Festival sein, wo das Gelände bereits Stunden vor der ersten auftretenden Band rappelvoll ist – dank Dutzenden von interessanten Workshops, Vorträgen, Lesungen und sonstiger spannender Bespaßung. Hinzu kommt ein Food-Angebot, das zwar im Schnitt etwa 25 Prozent teurer ist als anderswo, dafür aber auch um hundert Prozent besser – wir haben uns an den vier Tagen zünftig durch die Foodtrucks gefuttert, und nicht ein einziges Mal hätten wir Grund zur Beanstandung, geschweige denn Klage gehabt. Was bei alldem ebenfalls auch geht, ist der Genuss von durchweg hervorragender Musik, und hier muss man den Veranstaltern besonderen Respekt zollen: Satt des endlosen Durchreichens von den ewig gleichen 150 Acts, die auf zig Bühnen soundmäßig alles parallel zuballern, werden Haupt- und Zeltbühne abwechselnd bespielt, jede Band bekommt ausreichend Zeit – und zwischen den Auftritten gibt es auch stets mal ein paar Minuten: Stille. Was, man glaubt es kaum, wahnsinnig angenehm ist. Dafür bekommt jeder Künstler, ob Newcomer oder altgedienter Haudegen, die angemessene Anerkennung und ist entsprechend feingeistig ausgewählt. Die Highlights reihen sich demenstprechend aneinander wie die Perlen an den Ständen, wo man sich selber Ketten basteln kann: Allesamt herausragende Künstler wie Blaudzun, Get Well Soon, Rhonda, Die Sterne, Johnossi, Conor Oberst, Bear's Den, Cigarettes After Sex, Thomas Dybdahl oder Dear Reader machen die Nachmittage schön, Popsternchen wie Birdy dürfen beweisen, was für eine tatsächlich fantastische Musikerin in ihr steckt, und am Abend warten alte Helden wie The Notwist, PJ Harvey, Feist, die Pixies, Element of Crime, Franz Ferdinand oder die Stereo MCs darauf, das extrem heterogene Publikum zwischen jungem Indiepärchen, moderner Jungfamilie und Altrockern in Funktionskleidung mit echten Emotionen zu verzaubern. Der Dank ist ebenso groß wie die Begeisterung des Publikums. Und wenn der letzte Ton verklungen ist, fällt es immer noch schwer, Richtung Zelt zu marschieren, denn mit hunderten von bunten Strahlern lädt das Gelände auch ohne jeden Programmpunkt dazu ein, einfach in einem der vielen herumstehenden Liegestühle sitzen zu bleiben – und sich darüber zu freuen, dass ein dermaßen schönes Festival voller liebevoller Details funktioniert.

Sascha Krüger